Grade aus – übers Haus, dreimal rum und hoch hinaus

Ich hab mir im April ein Rad gekauft, und im Juli gleich noch eines besorgt.

Immer wenn ich bis dato mit dem Rad gefahren bin, dann aus der Notwendigkeit heraus schneller von A nach B zu kommen, als zu Fuß. Zu Fuß zu gehen ist für mich das Langsamste und Langweiligste auf der ganzen Welt, gefolgt vom zwar schnellen aber immer noch sehr langweiligen Autofahren. Also blieb nur das Radfahren.

Die 4 Minuten, die ich in der Schulzeit zu Fuß ans Gymnasium gebraucht hatte, wurden mit dem Rad auf 1 Minute abgekürzt.

Die 30 Minuten, die ich mit der U-Bahn in Wien zum Institut gebraucht hatte, wurden durch 30 Minuten Radfahren ersetzt. War zwar nicht schneller, aber zumindest abwechslungsreicher. Und meine Angst, auf der Gumpendorfer- oder Mariahilferstraße durch eine von einem parkendem Menschen plötzlich aufgerissene Autotür zu Fall zu kommen, hat sich zum Glück nie bewahrheitet.

Die 35 Minuten, die ich während meines Auslandssemesters auf die Uni in Kopenhagen gebraucht habe, habe ich sogar auf 45 Minuten mit dem Rad ausgeweitet, weil mir das U-Bahn Ticket zu teuer war. Das Rad hingegen war geschenkt und ich konnte mich entscheiden zwischen langweiligem geraden Radweg in der Stadt oder wunderschönen, aber sehr windigem Radweg am Meer. Bis heute weiß ich noch, welche Musik ich damals an diesen jeweiligen Strecken gehört habe.

Dann viele Alltagswege, die ich in Freistadt mit dem Rad erledigt habe. Meiner Meinung nach zum Teil gefährlich, und der Berg, auf dem wir wohnen, machts auch nicht grad einfacher.

Kurz gesagt, ich bin nie so richtig zum Spaß gefahren, aber hat schon irgendwie gepasst.

Und plötzlich war da heuer diese Radfahr-Freude (Midlife-Crisis?), die ich vorher nicht gekannt habe. Die hat leise angefangen, mit dem E-Bike ein paar kleine Runden nach Tschechien oder meine Arbeitswege, die ich plötzlich gern und regelmäßig mit dem Rad erledigen konnte und nun heute die 100 Kilometer gerade aus – aber immer noch lange 100 Kilometer – Donauradweg von Passau nach Linz.

Im Buch in der Kirche stand von einem Gast geschrieben: „Dankbar für diese wunderbaren Tage.“ Mehr kann ich dazu auch nicht mehr sagen. Und dann schauen wir was da noch so kommt.

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